Sonntag, 28. Januar 2018

Was sagt Twitter?...über Selbstverwirklichung





Ich habe auf Twitter einen Aufruf gestartet und meinen Followern und eigentlich jedem, der interessiert war, Fragen gestellt zu denen sie einen Text schreiben konnten, wenn sie möchten und möchte euch diese Texte jetzt präsentieren. Ob es um Literatur, oder Pläne, oder die eigene Selbstverwirklichung geht, es sind ziemlich viele Themen dabei und ich wünsche euch ganz viel Spaß damit.

Heute geht es um ein Thema, welches mich persönlich die letzten Jahre sehr begleitet hat und das wäre die Frage nach der Selbstfindung. Also habe ich Twitter gefragt:

„Selbstverwirklichung/ Selbstfindung (Kann man sich selbst finden? Funktioniert Selbstverwirklichung? Wie kann man herausfinden wer man ist?)


Wir schreiben das Jahr 2017. Gezeichnet von Globalisierung, Digitalisierung, aber auch von Trump, Erdogan, Kim etc. Die Zeiten wirken schnelllebig und durch Vernetzung alles viel direkter und näher als früher. Kindergarten, Grundschule, weiterführende Schule, eventuell Abi nach 8 oder 9 Jahren, dann Studium. Erst Bachelor, dann Master. Im Kindergarten hat jeder noch einen Traum. „Ich werde Feuerwehrmann“, „Ich werde Prinzessin“, „Ich will Polizist werden“...“und ich Bauarbeiter“ So könnte es auch bei euch geklungen haben. Mit den Jahren verlernt man jedoch, Träume zu haben. Man wird realitätsbezogener. Will sein persönliches Optimum erreichen, nur enteilt die Realität einem und man rennt seinem Leben nur noch hinterher. Glücklich ist man dabei selten. Und dies wieder zu ändern, ist schwer. Man muss erst wieder lernen so zu denken wie ein Kind. Ein Kind handelt intuitiv, macht Dinge die zu Glück und Erfüllung führen. Das kann schiefgehen, aber dann lernt man draus. Um sich selbst zu verwirklichen, ist steht’s mehr Selbstreflexion nötig. Vorm Abi gucken, was für Talente man hat, was einem glücklich macht und wie man dies verbinden kann. Aber sich nie auf eine Sache konzentrieren, offenbleiben und dem Leben mal eine Chance geben. Rückschläge gehören immer dazu, niemand ist perfekt und niemand sollte einem „Ideal“ folgen. Denn jeder Mensch ist ein Individuum, kein Weg ist gleich. Jeder muss seinen Weg gehen. Ohne Druck, aber mit Freude. Wir leben in einem freien Land, also lasst uns auch die Chance nutzen. Ein Rezept sich selbst zu verwirklichen kann ich also nicht geben, da jeder Mensch unterschiedlich ist. Und das ist auch gut so. Aber vielleicht sollte jeder mal tiefer in sich hören und sich nicht abhängig von anderen Weisungen machen, ganz im Geiste der Aufklärung: Bediene dich deines eigenen Verstandes J (Julian Wesch, 20 Jahre jung und Student an der Uni Bremen)



„Jeder Mensch hat etwas, das ihn antreibt“ – so heißt es in einem Werbesport einer bekannten deutschen Bank. Und dieser Antrieb stellt unser Innerstes dar, unseren Motor, unsere Motivation. Er hilft uns dabei durch die Tage zu kommen und einen bestimmten Lebenssinn zu verfolgen. Doch dieser Antrieb ist nicht immer sofort ersichtlich, nicht einmal für denjenigen, den er eigentlich antreiben soll. Dies mag auch daran liegen, dass er besonders vielschichtig ist, sich in unterschiedlichsten Arten und Formen ausdrücken kann. Für den einen mag er im Geld liegen, für den anderen in zwischenmenschlichen Beziehungen und für wieder andere im Glauben. Ganz egal wo er auch ist und wie er sich manifestiert, er ist wichtig und essentiell. Er hilft uns dabei, uns selbst zu finden und selbst zu verwirklichen, da er der Kern dessen ist, was uns ausmacht. Allerdings scheint es immer schwieriger zu werden, sich auf die Suche nach diesem Innersten zu begeben. Konformität und Anpassung entwickeln sich zu gesellschaftlichen Idealen und es ist angesagt, sich nicht mehr zu unterscheiden. Dies zieht sich durch all unsere Lebensbereiche. Nicht umsonst laufen auf einmal tausende von Menschen mit einem weißen T-Shirt durch die Gegend, auf dem das Branding eines amerikanischen Kleidungsherstellers prangt. Zugehörigkeit ist wichtiger als individuelle Verwirklichung. Zumindest ist es das Bild, das man gewinnen könnte.
Ich persönlich sehe diese Entwicklung als einen Drahtseilakt im alltäglichen Leben. So bewegen wir uns alle im Spannungsfeld der persönlichen Selbstverwirklichung und der gesellschaftlichen Integration. Die Kunst ist es dabei, die Balance zwischen beiden Bereichen zu halten. Damit dies gelingt, ist die Selbstfindung besonders wichtig. Man muss auf sich und seine innersten Vorstellungen hören und darf sich nicht von den lauten Stimmen anderer niederschreien lassen. Dennoch sollte man die anderen Stimmen nicht komplett ausblenden, da sie sowohl unterstützend als auch korrigierend wirken können. Wer weiß, vielleicht verirrt man sich auf der Suche nach seinem Innersten ja doch einmal und ist dann dankbar, wenn Freunde und Familie einem den Weg zurück weisen. Zudem stellt die Gesellschaft den Rahmen zur Selbstverwirklichung dar, den man in nahezu allen Bereichen benötigt. Was wäre zum Beispiel ein Maler, der sich in seinen Bildern selbstverwirklicht, ohne die Menschen, die diese später betrachten? Was wäre ein Musiker ohne seine Zuhörer? Was wäre ein Hilfeleistender ohne Hilfsbedürftige? Dabei steht in all diesen Fällen die Wertschätzung der anderen zwar nicht im Fokus und ist auch nicht zwingend zur Selbstverwirklichung nötig, sie dient aber als Treibstoff für genau diese. Denn auch der Zuspruch treibt uns an.
Dieser Text sollte nun jedoch nicht als Mahnung an die Gesellschaft oder Aufruf zur Umkehr gelesen werden. Ich kann mich selber nicht freisprechen von genau diesen Entwicklungen. Und mal ehrlich, wer kann das schon? Tragen wir nicht alle Markenschuhe, -shirts oder –hosen? Sind wir nicht alle darum bemüht, unseren Style durch angesagte Accessoires auszudrücken? Wollen wir nicht alle dazugehören? Er soll vielmehr dazu motivieren, etwas mehr auf sich selbst zu hören und auf sich selbst zu vertrauen, denn „jeder Mensch hat etwas, das ihn antreibt“, es ist aber an jedem selbst, diesen Antrieb auch zu finden. (@soerenCA)




Ich denke Selbstfindung ist ein Prozess, den wir mehrmals im Leben durchgehen. Ähnlich wie wir uns im Umgang mit Menschen verändern, weiterentwickeln und sich dadurch auch unsere Beziehungen verändern.
Manche suchen sich diesen Prozess bewusst, andere leben und stellen irgendwann fest, dass sie sich gefunden haben und mit sich im Reinen sind.
Zumindest bedeutet Selbstfindung bzw. sich selbst gefunden haben für mich auch mit sich im Reinen zu sein. Es bedeutet auch, zu machen, was einem selbst gut tut. Nicht im egoistischen Sinne, sondern dafür zu sorgen, dass man sich gut um sich selbst und sein Leben kümmert. Seinen eigenen Weg zu gehen und seine Träume zu leben. Ein Stück weit steckt da selbstverständlich auch Selbstverwirklichung drin.
Aber wie will man sich selbst verwirklichen, wenn man sich nicht selbst gefunden hat? Wobei es hier für mich nicht den einen, richtigen Weg gibt. Jeder findet sich und seinen Platz in seinem Tempo und zu seiner richtigen Zeit. Und jederzeit kann der richtige Platz neu gefunden werden. (Lisa)




Wer bin ich? Wer möchte ich sein? Was sind meine Ziele? Was will ich erreichen? Was soll mich ausmachen?
Diese Fragen stelle ich mir seit einiger Zeit. Ich habe festgestellt, dass ich diese Fragen eigentlich – bis vor kurzem – gar nicht so richtig beantworten konnte. Es mussten erst viele Dinge geschehen, genauer KAPUTTGEHEN, bis ich diese Fragen beantworten konnte. Wir alle erleben schlimme Dinge - jeder definiert „schlimm“ hier bitte für sich selbst – und wir reagieren unterschiedlich darauf. Wenn ich die letzten fünf Jahre betrachte, fallen mir spontan viele schlimme Dinge ein. Ich will hier nicht auf alle eingehen (naja, ganz kurz: #metoo), da dies den Rahmen (beziehungsweise den Blog) sprengen würde. Ich möchte hier auf eine Sache eingehen, die mich aktuell noch sehr beschäftigt, die mich sehr traurig macht, die mich in eine sehr dunkle Ecke getrieben hat, aber die mich auch verändert hat und zwar positiv. Davon möchte ich Euch erzählen, weil ich mich dadurch gefunden habe. Beziehungsweise mich auf dem richtigen Weg befinde, die Person zu werden, die ich sein will. Aber wer ist eigentlich „Ich“? Das bin ich. Hallo. Ich heiße Katharina, arbeite seit fünf Jahren freiberuflich und leidenschaftlich für die Zeitung und studiere im Master Geschichte. Ich liebe Katzen, Harry Potter, trinke am liebsten den ganzen Tag Tee und könnte mich von Nudeln ernähren. Privat höre ich momentan gerne Kollegah, Farid Bang, Fler und Ali As und stehe auch gerne dazu. Viele sagen, dass ich zu links bin, Gregor Gysi ist mein ganz eigener Bernie Sanders und Jan Böhmermann ist der wichtigste Künstler, den wir momentan haben. Ich mag Multi-Kulti, schwarzen Humor und finde, dass wir uns mit der AfD den Teufel in den Bundestag geholt haben. Ich mag es unbequeme Fragen zu stellen und finde, dass wir uns die Flüchtlinge selbst ins Land gebombt haben. Und eigentlich wäre ich seit Oktober mit dem Studium fertig. Eigentlich. Wäre ich nicht an eine Dozentin geraten, die mich zweimal mit 5,0 bewertet hat, mich bis aufs Blut erniedrigt hat und zum Abschluss zu mir gesagt hat, dass „eh zu viele studieren“. Ich will da nicht genauer drauf eingehen, weil das auch gar nicht nötig ist, um deutlich zu vermitteln, was ich gefühlt habe:
1      Angst, dass ich mein Studium jetzt nicht mehr schaffe
2      Traurigkeit
3      Ohnmacht, weil ich mich in manchen Gesprächen mit dieser Frau nicht so wehren konnte, wie ich es wollte
4      Wut
5      Stress
6      Ungerechtigkeit
7      Hass
8      Unverständnis
9      Die große Entzauberung des Akademiker-Seins (ich war so naiv zu denken, dass alle Akademiker auch gute Menschen sind. Verzeiht mir dafür bitte)
10   Echten körperlicher Schmerz (Migräne, Ausschlag, stärkere Monatsblutung...)
Wegen all diesen Gefühlen, weinte ich. Manchmal stundenlang. Und dann: Dann war da auf einmal ein Gedanke. Der Gedanke war: Ich möchte niemals so werden wie diese Frau. Das kam einfach so in meinen Kopf und dann war der Gedanke auch schon wieder weg. Hatte ich etwas aus der Sache mitgenommen? Wie konnte das denn sein? War es nicht meine Aufgabe einfach nur unfassbar daran kaputtzugehen und zu betonen, wie unfair alles sei? Ich war kurz von mir selbst überrascht. Das ganze Drama, der Kummer, wie wichtig es mir eigentlich gewesen wäre auch den Master in Regelstudienzeit zu machen, wie unangenehm es sein würde den Bekannten meiner Eltern zu sagen, dass ich noch nicht mit der Uni fertig bin, wie scheiße es werden würde mein Praktikum zu verschieben (auf das ich mich schon so gefreut hatte) ... all das war kurz weg. Dieser ganz kurze, aber dennoch intensive Gedanke, ließ mich nicht mehr los. Ich wollte darüber mehr erfahren, ob es tatsächlich möglich sei, dass aus großen Krisen auch große Selbsterkenntnis kommen kann. Leute, die von sowas sprachen, hielt ich immer für esoterisch. Ich hielt an diesem Gedanken fest und von da an entwickelte sich beinahe alles von ganz alleine.
Eine erste Anlaufstelle fand ich auf meinem Nachttisch. Da stand „What I know for sure“ von Oprah Winfrey. Ich liebe Oprah und hatte mir das Buch zum Geburtstag gewünscht – weil Oprah es geschrieben hat – ohne zu wissen, worum es da wirklich geht. Es geht um sie. Da ich monatelang nicht wirklich schlafen konnte, las ich das Buch in einer Nacht durch. Sie hatte ein scheiß Leben und jetzt ist sie Oprah. Die Frau, die keinen Nachnamen braucht, weil sie eh jeder kennt. Ich begann zu googeln und landete schnell bei Dr. Maya Angelou, Oprahs bester Freundin und war gefesselt. In dieser Welt da draußen sind viele Menschen, – vor allem Frauen – die alle ganz unten waren und dadurch stärker geworden sind. Ich googelte immer weiter und auf einmal hatte ich da diese Liste von Menschen, die ich anfing zu verehren, weil sie Dinge sagten, die mich berührten und die mich dazu ermutigten, das Beste aus dem ganzen Mist zu machen.
Immer wieder ging es um die Macht der Gedanken. Das, was Du denkst, das ziehst Du an. Das, worauf du dich fokussierst, das wird wachsen. Ich hielt das für Schwachsinn. Ich habe „The Secret“ bei Netflix mal geschaut und für so ne Sekten-Sache gehalten. Aber ich gab der Sache eine neue Chance, indem ich einfach mal bei YouTube begann zu suchen. Da fand ich vor allem Mädels in meinem Alter, die so viel Mist erlebt hatten und dann durch „The Law of Attraction“ da rausgekommen waren. Ich gab der Sache eine neue Chance und kam zumindest in den Prozess, dass ich verstehe, was hinter diesem „Gesetz“ steckt. All das passierte bis Ende September 2017. Da war ich zum zweiten Mal durch meine LETZTE HAUSARBEIT VOR DER MASTERARBEIT (das ist echt hart, oder?) - aus absolut persönlichen Gründen - gefallen.
Meine Mama und ich besuchten für ein paar Tage unsere Bekannten in Unterfranken und ich fuhr danach alleine weiter nach Berlin: Zu meinen Pateneltern und zu zwei wunderbaren Freunden, die ich leider viel zu selten sehe. Ich erzählte den ganzen Mist und ich war froh, dass wirklich alle auf meiner Seite waren (und da war das letzte Gespräch mit besagter Dozentin noch gar nicht gewesen). Das war auch so eine Angst, die mich umtrieb. Ich hatte Angst, dass mir niemand glaubt oder das man sagt: „Dann hast Du dich auch nicht angestrengt.“ In diesen Tagen in Berlin fühlte ich mich so unfassbar geliebt, verstanden und respektiert und ich merkte, dass sich irgendwas in mir verändert hatte. Ich saß abends im Bus zurück zu meinen Pateneltern und merkte, dass ich als anderer Mensch nach Hause zurückfahren würde. Ich konnte das Gefühl nicht einordnen, aber irgendwie merkte ich, dass ich anders über den Drittversuch dachte. Ich hatte, wie ein Schwamm, die ganze Freundschaft und Liebe der letzten Tage aufgesaugt und schaffte es tatsächlich dieses Gefühl mit nach Hause zunehmen. Im Zug zurück nach Hause – danke hier nochmal an die Bahn für knapp acht Stunden Fahrt anstatt sechs - hatte ich noch ein ganzes Buch zu lesen, was ich mitgenommen hatte: „Thrive“ von Adriana Huffington. Auch das Buch hatte ich schon viele Monate, aber war einfach nie dazugekommen es zu lesen. Ich las das Buch an einem Stück aus und war noch im Zug ganz ergriffen. Ich hatte einen „Aha-Moment“ nach dem anderen. Ein Zitat von Marcus Aurelius, dass die Autorin laminiert in ihrem Portmonee hat, lese ich öfters:
„True understanding is to see the events of life in this way: „You are here for my benefit, through rumor paints you otherwise.” And everything is turned to one’s advantage when he greets a situation like this: You are the very thing I was looking for. Truly whatever arises in life is the right material to bring about your growth and the growth of those around you [] Everything contains some special purpose and a hidden blessing [].”
Persönlicher Wachstum. Darum geht es, wenn ein Problem bei Dir auftaucht. Als ich nach knapp drei Wochen wieder Zuhause war, bestellte ich noch am selben Abend zwei neue Bücher, die immer wieder erwähnt wurden: „The Magic“ und „The universe has your back“. „The Magic“ ist sozusagen das Workbook zu „The Secret“. 28 Tage übt man Dankbarkeit. Immer zu einem etwas anderen Thema, aber immer sollte man sich dankbar zeigen. FÜR ALLES, was man hat, was einem gelingt, für jeden noch so blöden und verbackenen Freund, den man aber trotzdem liebt und vor allem dankbar sein für sich selbst. Nach wenigen Tagen merkte ich bereits, was Dankbarkeit für wirklich ALLES mit einem macht. Es nimmt den Wind aus den Segeln, es macht einen gelassener und vor allem merkt man, wie gesegnet man doch eigentlich ist (ich bin Atheist; bitte nicht falsch verstehen, aber ich mag das Wort „blessing“ so gerne). Wir haben alle ein Zuhause, wir haben alle Essen und Trinken, wir haben alle Klamotten, Handys, Netflix-Accounts, Geld, zu viele Yankee Candles (ich zumindest) und beschweren uns trotzdem ganz schön oft. Vertraut mir jetzt einfach mal und macht mit mir eine kleine Übung: Schreibt eine Liste zu dem Thema „Wofür bin ich dankbar?“. Schreibt das runter und lest es Euch immer wieder verteilt über den Tag durch. Ihr seid eigentlich ziemlich gut dran, oder? Baustellen haben wir alle, aber uns geht es eigentlich schon recht gut. Das wichtigste ist, dass wir anders auf Dinge reagieren, die uns wiederfahren. Parallel zu „The Magic“ las ich das Universum-Buch von Gabrielle Bernstein. Ich hatte etwas Angst vor dem Buch, weil ich nichts von Bestellungen im Universum halte. Ist mir zu esoterisch. Beim Lesen stolperte ich aber über viele kluge Dinge, die mich wieder total erreichten. Ich las in dem Buch noch am 18. Oktober und ahnte nicht, dass am nächsten Tag (das letzte Gespräch mit der Dozentin) einer der schlimmsten Tage meines bisherigen Lebens folgen sollte.
Den 19. Oktober möchte ich nur kurz beschreiben. Beim bloßen Gedanken an diesen Donnerstag beginnt mein Herz schon zu rasen und meine Augen füllen sich mit Tränen. Ich ging zur Dozentin hin und sie sagte mir alles, was sie mir schon immer mal sagen wollte:
„Es studieren eh zu viele.“
„Manche sind hier im Institut nicht richtig aufgehoben.“
„Ich kann mir nicht erklären, wie sie in Regelstudienzeit sein können.“
„Ich kann es mir nicht vorstellen, dass Sie irgendwas im Studium bestanden haben.“
„An anderen Instituten siebt man auch viel stärker aus.“
„Gefühle kehrt man gefälligst nach innen.“
„Sie haben Ihren Körper gar nicht mehr unter Kontrolle. Sie weinen ja.“
„Mir wäre es ja unangenehm, wenn Kommilitonen und Dozenten wüssten, wie ich aussehe, wenn ich weine.“
„Sie hören ja auch einfach nicht.“
„Man spricht nicht mit anderen Leuten über das hier.“
-          Das waren nur die Highlights. Es reicht für einen Eindruck von der Dame. -
Ich verließ das Gespräch, ging aus dem Institut und brach heulend zusammen. Viele Leute sprachen mich an und fragten, ob ich einen Notarzt bräuchte. Besagte Dozentin ging sogar einige Minuten später an mir vorbei – da ist ein REWE und ein Bäcker direkt um die Ecke vom Institut – und schaute mich nur an und ging weiter. Mein Professor kam zufällig aus dem besagten REWE, fand mich heulend, packte mich am Arm und sagte: „Das war klar, dass das nicht klappt. Sie sind zwei vollkommen verschiedene Menschen. Wir kriegen das hin.“ Ich bekam spontan ein neues Seminar (damit den Drittversuch bei einem anderen Dozenten) und viel Zuspruch von drei Professoren. Mit denen hatte ich bereits nach meiner ersten 5,0 gesprochen, weil ich das Gefühl hatte, dass die Dozentin mich persönlich beurteilt und nicht meine Hausarbeit. Ein Professor hat sogar Teile der zweiten Hausarbeit gelesen, fand sie gut und trotzdem bin ich durchgefallen. Ich war an diesem Tag ganz unten angekommen. Auch körperlich. Meine Augen waren zugeschwollen vom Weinen und das Telefonat mit meiner Freundin aus Berlin, die sich schon Sorgen gemacht hatte, musste ich abbrechen, weil ich mir das Essen diverse Male durch den Kopf gehen lassen musste. 
Seit diesem Horrortag sind einige Wochen vergangen und mir geht es wirklich gut. Das hätte ich selber nicht gedacht. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht noch manchmal wegen all dem weine, was passiert ist. Die Gewissheit, dass ich etwas für mein komplettes Leben lernen werde, beruhigt mich allerdings. Ich weiß jetzt ganz genau, wer meine Freunde sind. Ich weiß jetzt ganz genau, wie ich sein möchte. Ich weiß jetzt ganz genau, wie ich auf andere Menschen wirken möchte. Ich weiß mittlerweile auch, dass ich diese große Krise habe, weil ich fähig bin, sie richtig zu händeln und dadurch wachsen werde. Hier kann ich Euch bereits sagen, dass in der ganzen Sache auch das letzte Wort natürlich noch nicht gesprochen ist.
In Krisenzeiten kristallisiert sich der Menschenkreis heraus, der dich wirklich liebt und vermutlich immer bei Dir sein wird. Bei mir war es sogar so, dass ich mir in dieser Zeit meine Freunde ganz genau angeschaut habe und mich tatsächlich bei manchen nicht mehr melden werde. Es gibt Leute, die sich für meine Freunde halten und die nichts von all dem wissen, was ich Euch hier kurz angedeutet habe. Das mache ich nicht, weil ich gemein bin oder eine schlechte Freundin bin. Das mache ich für mich. Ungesunde Beziehungen bringen uns rein gar nichts. Macht dich jemand fertig, nervt dich jemand, macht dich einer immer wieder runter, ist auf eine Person kein Verlass, redet einer nur von sich... lass die Person gehen. Das ist auch nicht arrogant. Das ist konsequent und gut für Dich.
Ich hielt es immer für ein Gerücht, dass man aus Krisenzeiten gestärkt rausgeht. Mittlerweile muss ich mich da selbst korrigieren. Durch all das, was ich in den letzten Monaten erlebt habe, habe ich mir wirklich jeden Bereich meines Lebens angeschaut und alles, was mir nicht gefiel, mache/tue/sage und esse ich nicht mehr. Einfach so schlechte Gewohnheiten aufgeben. Ist schwer, aber bringt Euch weiter. Ich habe eine „Meine schlechten Angewohnheiten-Liste“ geschrieben, die wirklich lang ist. Stück für Stück versuche ich diese anzugehen und aufzugeben. Mein Leben hat sich verändert und das innerhalb weniger Wochen. Und noch ein Tipp, den ich natürlich selbst ausprobiert habe. Es gibt da einen Menschen in meinem Leben mit dem es immer sehr schwierig war, den ich aber trotz allem sehr liebe und ich weiß, dass es ihm genauso geht (Wir haben vermutlich alle so einen Menschen). Ich habe ihn vor einigen Tagen das erste Mal nach zwei Jahren wiedergesehen und war wirklich schrecklich nervös. Ich erinnerte mich an etwas, was Gabrielle Bernstein geschrieben hat. Sie empfiehlt, dass man in genau solchen Situationen – vor dem Treffen – sich vornehmen soll, dass man heute diese Person zum ersten Mal kennenlernt. Dann ist der Groll aus der Vergangenheit schon mal weg. Ich habe mir das vorgenommen, durchgezogen, nicht in die Vergangenheit geschaut und hatte wirklich einen schönen Abend. Er steht dazu absolut hinter mir, was den ganzen Scheiß mit der Dozentin angeht.
Was will ich Euch mit all dem jetzt sagen? Ich hätte den leichten Weg gehen können und mich exmatrikulieren können. Da hätte ich mir so einiges mit erspart. Aber warum sollte ich das tun? Wegen einer Frau, die ich nie wieder im Leben sehen werde? Ganz sicher nicht. Falls ihr Euch schlecht fühlen solltet – warum auch immer – dann wisst bitte, dass ihr Eure Einstellung zu der Situation jederzeit ändern könnt. Ihr sollt Euch nicht aus der Verantwortung stehlen, sondern einfach das Problem so annehmen, als hättet ihr es Euch genauso gewünscht. Wenn ihr dann noch Punkte findet, warum ihr dankbar seid für Euer Problem, dann habt ihr gewonnen (Seid dankbar für Euer Problem, weil ihr daran wachsen werdet, ihr dadurch toxische Leute habt gehen lassen können, weil ihr dadurch etwas gelernt habt, weil ihr dadurch gemerkt habt, wie sehr Person XYZ Euch doch liebt oder auch nicht liebt...). Glaubt mir, Euch werden einige Dinge einfallen. Natürlich bin ich noch traurig wegen alldem, aber ich weiß besser damit umzugehen. Sowas gehört auch einfach zum Leben dazu und wenn ich weinen muss, dann weine ich auch. Ich möchte allerdings ganz klar sagen, dass ich denke, dass es definitiv auch Situationen im Leben gibt, wo all das nicht hilft, sondern nur ein Facharzt.
Ich könnte noch so viel schreiben, aber das lasse ich jetzt einfach mal. Wenn ihr bis hierhin gelesen habt: DANKE! Wenn ich auch nur einem ein bisschen helfen konnte, dann freut mich das sehr. Lasst Euch nie unterkriegen und gibt immer Euer Bestes. Nicht um anderen etwas zu beweisen, sondern nur für Euch. Ihr werdet Euer Leben mit genau einem Menschen verbringen: Euch selbst. Also behandelt Euch selbst gut. Euch soll es - zumindest die meiste Zeit - gut gehen. Also macht die Dinge, die ihr toll findet – zur Not auch alleine (wenn nette Leute dabei sind, dann natürlich auch gerne mit denen). Geht zum Sport für Euch, geht zu diesem Konzert für Euch, fahrt in diese eine Stadt für Euch... Was auch immer es ist, macht es. Jetzt. Dreisekundenregel. 3,2,1: Ich mache das jetzt für mich.
Ich wünsche Euch nur das Beste.
(Katharina/ @katharinaIsabel)





Es gibt wohl immer ein Unterschied zwischen der Person, die man ist und der Person, die man sein möchte. Ob man wohl vollkommen zu der Person werden kann, die man sein möchte ist meiner Meinung nach fragwürdig, denn als Mensch ist man immer in einem Entwicklungsprozess. Erreicht man etwas, was man sich lange als Ziel gesetzt hatte, setzt man sich ein neues Ziel. Denn der Mensch eifert immer nach Freude und die größte Freude ist wohl, wenn man aus eigener Kraft etwas erreicht, wofür man die eigenen höheren Fähigkeiten verwendet und vielleicht auch über sich hinauswächst.  (Hajera )




Ja, ich denke man kann sich selbst finden. Manche tun es, wenn sie ganz allein sind, meditieren oder ‚nur so‘ in sich gehen. Manche finden sich selbst in Hobbys wieder und finden damit auch gleich die Selbstverwirklichung... es gibt so viele Möglichkeiten, glaube ich. Ich war lange auf der Suche, nach mir, nach dem Sinn des Lebens. Wie man es auch immer nennen mag. Was will ich, was kann ich, wer bin ich? Gefunden habe ich mich selbst erst, als ich wieder angefangen habe, etwas ‚für mich‘ zu tun. Nein, kein Sport, keine Hobbys. Ich wollte was werden, was sein. Vorher war ich ‚ungelernt‘ ,fühlte mich trotz Familie, trotz Minijob ungenutzt, halbwertig. Merkwürdiges Gefühl, wenn man das so beschreibt. Aber habt Ihr schon mal sagen müssen: ja hey, ich hab eine Familie, ziehe Kinder groß, schmeiße einen Haushalt und gehe nebenbei bei einigen Stellen putzen. Aber Nö, gelernt hab ich nix, zumindest nicht bis zum Abschluss. Kacke war das, ich sag ja- trotz all der Arbeit die ich ja zweifelsohne geleistet habe, fühlte ich mich halbwertig. Dann kam die Möglichkeit meinen jetzigen Job zu ‚erlernen‘. Rückblickend kann ich sagen, die Ausbildung ist zu kurz. Alles was ich noch lernte, lernte ich in der Praxis, aber das ist eine andere Geschichte. Aber mit dieser Ausbildung und meinem Job, den ich mit Herzblut mache, habe ich zu mir gefunden. Ich weiß jetzt, ich kann was, ich bin was. (anonym)



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