Sonntag, 5. November 2017

Let's talk about.... eigene Filterblase



Originalbildquelle: pinterest


Wir haben wieder Sonntag. Ich habe wieder Lust und heute kommt ein neues „Let’s talk about“. Ich sage am Anfang immer ganz gerne, dass das nur meine persönliche Meinung ist und eigentlich müsste ich das überhaupt nicht mehrmals erwähnen, aber ich bin eben ein Mensch, welcher nicht möchte, dass sich irgendjemand angegriffen fühlt, also setzt auch gerne mit einem Tee hin und schaut, was ich so zu sagen habe und diskutiert gerne mit mir und untereinander, aber das müsst ihr auch nicht.

Aus der eigenen Filterblase entkommen. Etwas, was nicht jeder wichtig findet und etwas, was jeder anders definiert, aber etwas, was mir wichtig ist. Jemand, der immer nur von sich eingenommen ist. Jemand, der sich nur für Dinge interessiert, die sein eigenes Leben beeinflussen. Jemand, den Themen nicht interessieren, solange er nicht betroffen ist. Jemand, der niemals aus seinem eigenen Denken herauskommen kann und sich nicht in andere hineinversetzten kann. Jemand, mit dem es mir so schwer fällt mich zu unterhalten, oder zumindest eine engere Beziehung aufzubauen.

Ich verstehe, dass die eigene kleine Filterblase warm und bequem ist und einen vor vielem schützen kann. Ich sehe es, dass man nicht mit Lärm überschüttet wird und das man sich einkuscheln kann und die Augen gerne verschließen kann und ich finde auch, dass es einfacher ist, aber ich weiß nicht, ob es der richtige Weg ist.

Und ich meine damit nicht, dass man mit jedem Schicksal mitfühlen muss, oder dass man jedes kleine Tagesthema kennen sollte, oder dass einem nichts egal sein kann. Ich glaube manchmal schafft man es gar nicht durch dieses Leben zu gehen, ohne ab und an die Augen zu schließen, wenn man müde ist und mit anderen Dingen beschäftigt ist, oder einfach seine Ruhe haben möchte, aber ich weiß nicht, ob das die perfekte Lebenseinstellung ist.

Ich hasse Smalltalk. Ich hasse es aus jeder meiner Zelle heraus, aber ich merke einfach, dass man da durch muss, um einander besser kennen zu lernen und sich dann wirklich anfangen kann zu unterhalten. Ich mag Smalltalk also nur als Vermittler zum „deepen Gespräch“. Und so sehr ich Smalltalk hasse, so sehr liebe ich die Gespräche danach. Sich Stunden darüber unterhalten zu können, was man im Leben machen möchte und was einen wirklich berührt. Das leichte Glitzern in den Augen zu sehen, wenn man über seine Interessen spricht. Aber ich liebe auch diese Gespräche, wenn es anfangs neutrale Themen sind, man sich in dem Moment einen Standpunkt überlegt, oder schon einen hat und dann darüber diskutieren kann, aber bei manchen Menschen ist das so schwer.

„Ich muss mich damit nicht befassen. Das beeinflusst mich nicht.“, „Solange es nichts mit mir zu tun hat muss ich mir ja noch keine Gedanken machen“, „Naja UNS hat das ja nicht zu interessieren“.

Das sind nur ein paar Sätze, die ich mir schon manchmal anhören durfte. Ich hatte mit einem ehemaligen Freund einmal ein Gespräch über Sexismus und Feminismus anfangen wollen, aber er hat es schnell abgehackt mit den Worten, dass er niemanden aufgrund seines Geschlechts diskriminiert und deswegen müsste er sich da nicht so viele Gedanken machen. Eine Debatte, die gefühlt jeden Tag wächst mit den Worten „Ich bin ja nicht das Problem“ wegwischen können. Ich war ehrlich gesagt schockiert.

Und ich sage nicht, dass jeder, wie ich werden muss. Ich weiß, dass ich manchmal vielleicht in eine Richtung abdrifte, wenn ich mich mit jemandem unterhalte, die anderen zu „philosophisch“ und weit hergeholt ist und ich kann das sehr gut nachvollziehen und das meine ich auch nicht, sondern die Dreistigkeit würde ich schon fast sagen, die manche Menschen besitzen, dass sie manche Probleme nicht als solche sehen, weil sie einen selber ja nicht betreffen.

Ich merke einfach, dass es mir persönlich schwer fällt mit jemandem, der so in seiner Filterblase gefangen ist eine enge Beziehung aufzubauen, weil eine Blase um einen herum ist wirklich schön und kann einen gut beschützen, aber sie sorgt auch dafür, dass es schwierig wird Teil dessen zu werden, besonders wenn man selber gerne nicht eingesperrt wäre, auch wenn es eine selbstgewählte Gefangenschaft ist.

Vielleicht bin ich auch einfach noch zu jung und denke mit meinen neunzehn Jahren noch, dass jeder von uns irgendwo die Welt verändern würde, wenn er nicht immer die eigene Sonne wäre, die sich um einen selber dreht und ich weiß auch, dass es außerhalb der Blase oft manchmal kälter und kläglicher sein kann, aber gleichzeitig kann man Freude miterleben, die einen nicht persönlich betrifft und es ist manchmal so viel einfacher Menschen zu berühren, wenn keine Blase um einen herum ist.

Es kann sein, dass das mein Philosophie Studium ist, welches da aus mir spricht, oder das Mädchen, welches gerne in Metaphern spricht und ein Weltbild hat, welches die eigentliche Filterblase ist, während alle anderen schon längst ausgebrochen sind.

Kommentare:

  1. Hallo liebe Anna,

    ich finds ein bisschen traurig, dass es immer noch Menschen gibt, die Probleme beiseite wischen mit dem Kommentar, es betreffe sie ja nicht. Dass sie die Augen davpr verschließen, dass es andere sehr wohl betrifft, und dass andere auch darunter leiden. Und ich halte es auch nicht für übertriebenen Idealismus zu sagen, dass wir uns alle auch mit den Problemen beschäftigen sollten, die uns nicht betreffen, wohl aber andere.
    Und wie du sagst, so eine Abschottung macht es schwer, mit solchen Leuten umzugehen, wenn man sich selbst mit solchen Problemen beschäftigt. Denn die Welt ist so viel größer als unser Umfeld und als das, was uns direkt betrifft.

    Liebe Grüße ♥

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    1. Hallo liebe Dana,

      Ja ich finde es auch traurig, denn alles hat ja miteinander zu tun und beeinflusst sich und außerdem wäre ab und an ein bisschen mehr Empathie nett.

      Liebste Grüße ♥

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