Montag, 6. März 2017

Montagskolumne- Generation Y: Liebesunfähig?







“Die Beziehungs- und Bindungsunfähigkeit, von der heutzutage so viel geredet wird, ist nichts anderes als das Streben nach universeller Selbstverwirklichung, nach vermeintlicher Perfektion. Man weiß einfach, dass es irgendwo noch jemanden gibt, der besser zu einem passt, der das eigene Leben sinnvoller ergänzt. Und so richtig bewusst wird es einem, wenn Beziehungsprobleme auftauchen. Man will sich in seinem Selbstverwirklichungsprozess nicht eingeengt fühlen. Nicht abgelenkt werden.”




Das ist ein Zitat von Michael Nast, welcher mit seinem Buch „Generation Beziehungsunfähig“ große Popularität genießt. Er sagt, dass die Generation Y nicht mehr fähig wäre eine Beziehung zu führen. Aber nicht nur er, auch viele andere sind der Meinung, aber stimmt das denn? Ist das überhaupt eine Frage, die man für eine ganze Generation beantworten kann?

Ich kann jetzt schon von Anfang an sagen, dass ich hier nur für mich selber reden kann, ich studiere keine Sozialwissenschaften, oder etwas ähnliches und ich bin auch keine Psychologin, ich bin nur jemand der sich hingesetzt hat, das Internet durchforstet hat und jetzt ein wenig seine Meinung kundtun möchte. Einige Artikel wurden gelesen, Kommentare und Meinungen angehört und jetzt bin ich hier und möchte das eigentlich einfach nur kommentieren.

Generation Y- Können wir noch lieben? Vielleicht ist es erst einmal praktisch zu wissen, wer oder was diese „Generation Y“ ist. Wikipedia sagt dazu das hier:


Generation Y (kurz Gen Y oder Generation Me) wird die Bevölkerungskohorte bzw. Generation genannt, die im Zeitraum von etwa 1980 bis 1999 geboren wurde. Je nach Quelle wird diese Generation auch als Millennials (zu deutsch etwa die Jahrtausender) bezeichnet. Daneben ist die Generation die erste der Digital Natives.“

Ich persönlich gehöre also noch in diese Generation, knapp, aber ich bin trotzdem noch ein Teil davon, was natürlich nicht heißt, dass ich deswegen jetzt etwas besser wüsste, aber sagen wir einmal, dass ich möglicherweise Sachen belegen/ entkräften kann, zumindest wenn ich es auf mich beziehe.

Die meisten Artikel, die ich gelesen habe und über das Thema gesprochen haben, bezogen sich fast immer auf Michael Nast und seine Aussagen in seinem Buch. Was sagt er aber? Ich habe sein Buch nicht gelesen, sondern nur einige Zitate und das, was in den Artikeln stand. Einer seiner größten Aussagen, zumindest in meinen Augen, ist, dass die meisten Beziehungen in dieser Generation scheitern, weil man vor lauter Selbstinszenierung und Selbstoptimierung entweder keine Zeit für einen Partner haben, aber eher ihn in diesen Prozess mit ein binden und nach Perfektion streben, also auch nach einem perfekten Partner, welcher einfach schwierig. Wir seien Selbstdarsteller, welche auch immer nach der Suche sind, dass vielleicht noch etwas Besseres kommen könnte



„Es kann immer noch etwas geben, was besser ist“
- Michael Nast



Wir streben nach dem Besten, wir wollen immer mehr, immer etwas, was noch perfekter sein könnte, etwas was einen noch mehr umhaut. Außerdem sagt unter anderem der Autor dieses Artikels, dass der Partner einen nicht zurückhalten darf, die Beziehung darf nicht stören und eben, wenn diese Faktoren und einige andere nicht stimmen, dann trennt man sich und das auch viel schneller, als früher noch. Wir sind nicht mehr wirklich bereit Kompromisse einzugehen heißt es in dem Artikel und unsere Vorstellung einer perfekten Beziehung sei zu romantisch und zu überperfekt.

Die meisten Aussagen davon finde ich etwas kritisch. Ich weiß, dass ich erst 19 bin und laut vielen bin ich noch zu jung wahrscheinlich, um wirklich etwas zu dem Thema sagen zu können und ja vielleicht sollte ich diesen Post in fünf Jahren noch einmal schreiben und vielleicht sitze ich dann auch bei einer Vorlesung von Nast und nicke bei jeder einzelnen seiner Aussage, aber jetzt glaube ich das noch nicht.

Ob sich die Ansprüche an eine Beziehung verändert haben? Ich glaube schon. Versucht man sich noch mehr selbst zu verwirklichen, als noch vor einigen Jahrzehnten? Ich denke schon und kann absolut nachvollziehen warum man so denkt. Sind wir vielleicht wirklich weniger bereit Kompromisse einzugehen? Möglich, aber ich glaube auch, dass sich die äußeren Umstände sehr verändert haben. Sind wir, wie es hier heißt „zu blöd sich zu verlieben“? Meiner Meinung nach nicht.

Ich glaube wirklich nicht, dass unsere Generation beziehungsunfähiger sind, als andere. Ich stimme da eher diesem Zitat von Nast zu:



“Mit dem nötigen Abstand muss man sich allerdings fragen, was Sätze wie „Ich will mich nicht festlegen“ oder „Ich will mich gerade auf mich selbst konzentrieren“ eigentlich bedeuten. Sie umschreiben auf freundliche Art, dass man einfach nicht interessiert ist.”


Es ist einfacher zu sagen, dass man „beziehungsunfähig“ ist, als zu sagen, dass man eben nicht interessiert ist, dass man sich nicht vorstellen kann, dass es eine Zukunft zwischen mir und dir geben wird. Wenn einer Generation gesagt wird, dass sie eben dies und das ist, dann kann man es auch einfach gut als Ausrede verwenden, man muss sich nicht erklären, man nimmt die Schuld auf sich, man glaubt, dass man den anderen dadurch weniger verletzt, aber vielleicht ist man auch einfach nicht unbedingt gewillt dieses Gespräch zu führen. Jemanden einen Korb zu geben ist nie schön, auch wenn keine der beiden Parteien etwas dafür kann, wenn  das so sein sollte.

Ich denke, dass man sich heutzutage eventuell schneller trennt, wenn der Partner nicht mehr in sein Leben passt und man sich selber verwirklichen möchte. Ich kann nur von mir sagen, dass ich mich selber ausleben will, ich will in meinem Leben alles erreichen, was ich möchte und die Dinge angehen, die mir wichtig sind und wenn ein Partner einem da im Wege steht, dann sehe ich persönlich auch nicht das große Problem, wenn man sich dann trennen sollte, manchmal gehen eben zwei verschiedene Lebenssichtweisen auseinander, manchmal kann man sich nicht einigen und manchmal muss man jemanden loslassen, um wieder zu sich selber zu finden. Ob man sich manchmal in einer Beziehung zurück nehmen muss? Ja, es gibt genug Momente, wenn es nicht nur um dich geht und man sich zurück nehmen muss, um dem Partner Raum zu geben, aber ist die ideale Lösung nicht, dass beide genug Raum haben? 

Und vielleicht idealisiere ich mit diesen Satz schon wieder eine Beziehung und mache genau das, was die Autoren einiger Texte dieser Generation vorwerfen, aber ich finde, dass man auch sehen muss, dass sich einiges verändert hat. Heutzutage ist man nicht mehr zwangsweise finanziell vom Partner abhängig, ein Singledasein wird nicht mehr mit einem „Alte- Jungfer“- Dasein gleichgesetzt und berufliche Verwirklichung, sich selbst zu entfalten stehen bei manchen eben im Vordergrund und nicht unbedingt die Familienplanung. Die Ansprüche an eine Beziehung haben sich geändert, worüber auch hier berichtet wird.

Ich glaube wirklich nicht, dass unsere Generation verlernt hat zu lieben. Es gibt so viele andere Gründe, weshalb Menschen beziehungsunfähig sind und ich denke, dass da die Zeit der Geburt da eher weniger eine Rolle spielt. Manche haben einfach Bindungsängste, andere wiederum haben vielleicht nie den oder die richtige gefunden und wiederrum andere sind so sehr verletzt, dass sie sich nicht mehr trauen zu lieben. Aber meiner Meinung gibt es diese Probleme in jeder Generation, mal mehr und mal weniger, aber es ist kein Phänomen, welches spontan 1980 aufgetreten ist.


“We are afraid to care too much, for fear that the other person does not care at all.“
- Eleanor Roosevelt


Auch laut einigen Experten, existiert immer noch eine Sehnsucht nach einer klassischen romantischen Beziehung und in diesem Artikel meinte auch eine Psychologin, dass „Menschen schon immer Beziehungsprobleme haben.“

Auf welchen Aspekt ich auch noch einmal kurz, oder lang, ich skripte diese Kolumnen nicht wirklich, eingehen möchte ist, dass in meinen Augen das Konzept von Selbstverwirklichung so unheimlich negativ in diesen Artikel zum Teil aufgefasst wird, dass man eben egoistisch wäre und keine Kompromisse eingehen kann. Kann ich so überhaupt nicht unterschreiben, beziehungsweise ich würde es anders bewerten, wenn man etwas für sich machen möchte, was einem auch wichtig ist, was ein großes Ziel für einen selber ist und sich entfalten möchte, dann kann man das als Egoismus betiteln, aber keinen mit einem negativen Beigeschmack, denn du lebst eben nur dieses eine Leben und du hast nur diese eine Möglichkeit dieses Leben eben so zu gestalten, dass du am Ende glücklich bist, dass du stolz auf dich sein kannst und wenn man glücklich und mit sich im Reinen ist und sich liebt, dann kann man doch meiner Meinung nach auch viel besser jemand anderen lieben.



The inability to love and accept yourself and your humanity is at the heart of many illnesses. To be loved and accepted, you must start by loving yourself. If you have traits that you consider unlovable, you must love them anyway... it's a paradox.
-Christiane Northrup



Sind wir jetzt also unfähig zu lieben? Ist unsere Generation, die Paare dieser zum Scheitern verurteilt? Ist die Idee von der Morgendämmerung, wenn man durch die Straßen läuft und plötzlich dieser einen Person in die Augen blickt und einfach weiß, dass es sie ist, für immer verloren? Sind wir nur noch Masken hinter unserer Selbstinszenierung nicht wirklich fähig Kompromisse einzugehen und jemand anderen in unser Leben zu lassen?



„Wir schützen unsere Herzen. Wir sind zu blöd für die Liebe. Wir haben sie nicht verdient“
-Frankfurter Allgemeine



Ich glaube fest daran, dass das nicht so ist, dass wir nicht alle partout nicht in der Lage sind eine glückliche Beziehung zu führen. Was ich auch glaube ist, dass wir unsere Ziele und Wünsche im Leben erreichen können UND glücklich mit einem Partner sein können, auf den man auch eingehen kann UND wir immer noch die Idee einer romantischen Beziehung aufrecht erhalten kann, auch wenn diese nicht zwangsweise sein muss.
Ich glaube fest daran, dass unsere Generation nicht kollektiv beziehungsunfähig ist.



“Ich sollte dir sagen, dass du mich ganz und gar verzaubert hast und dass ich dich liebe, liebe, liebe.”
-Stolz und Vorurteil

Kommentare:

  1. Sehr interessanter und auch tiefsinniger Post, der Denkanstöße liefert.

    Ehrlich gesagt habe ich mich mit diesem Thema noch gar nicht beschäftigt, wobei mir durch deinen Post doch ein paar Gedanken dazu gekommen sind.
    Zum Einen würde ich denen, die einzig "unserer" Generation eine idealisierte Vorstellung von Liebe zuschreiben, einfach mal Liebeslyrik aus dem 18. Jahrhundert empfehlen. xD Im Ernst, kann schon sein, dass das durch Popkultur romantisiert wird. Umgekehrt lernen wir auch durchaus zu denken und das Prinzip der festgelegten Seelenverwandschaft wenigstens insoweit zu hinterfragen, um Kompromisse eingehen zu können. Abgesehen davon - Romantisierung war quasi schon immer da, war schon immer Bestandteil von Romanen und Dramen.

    Ich schätze, einer der wesentlichen Unterschiede zu früheren Generationen ist die Emanzipation. Wie du sagst, wir brauchen keine Ehe, um im Leben erfolgreich und gesellschaftlich anerkannt zu sein. Gerade als Frau. Daraus resultiert, dass man weit offener an Beziehungen herangeht, leichtfertiger vielleicht, aber eben auch nicht mehr so sehr als Verpflichtung. Und dass man letztendlich auch freier ist, Beziehungen wieder aufzulösen.

    Aber ebenso wie du glaube ich nicht, dass wir verlernt haben zu lieben. Es gibt genug Beziehungen, die funktionieren und das Gegenteil beweisen.
    Und ja, Selbstverwirklichung hat an Bedeutung gewonnen. Aber das schließt sich auch nicht zwangsläufig gegenseitig aus, sondern bedeutet nur, dass wir uns auch nicht von Anfang an festlegen müssen.

    Liebe Grüße
    Dana

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    1. Hallo liebe Diana :),

      ich bin auch der festen Überzeugung, dass wir das lieben nicht verlernt haben (kann man das überhaupt(?), denn Liebe definiert jeder ja auch anders für sich). Wir sind, wie du schon erwähnt hattest, ja auch freier, aber das bedeutet ja nicht willkürlich.

      Ich stimme dir voll und ganz zu, Selbstverwirklichung schließt einen Partner nicht aus, man muss eben einfach schauen, wie es passt und wie man gemeinsam an den Zielen von beiden arbeiten kann :)

      Liebste Grüße ♥

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