Samstag, 21. Mai 2016

Zeitreise in der Edelsteintrilogie, oder wie ich nicht schlafen konnte



Wie ihr am Titel vielleicht schon erahnen könnt möchte ich heute ein wenig über die Zeitreise in der Edelsteintrilogie schreiben. In dem Post geht es wirklich nur um die Zeitreise und nicht um den Rest der Geschichte, vorweg kann ich sagen, dass ich die Bücher ganz gut fand und den ersten beiden 3,75 und dem dritten 4 Sterne gegeben habe. Die Zeitreise hat mich aber nicht losgelassen und ich lag manchmal wirklich abends noch lange im Bett und habe versucht die Logik in manchen Momenten dahinter zu sehen, aber ich habe es einfach nicht geschafft. Mit ein Grund weshalb ich die Bücher schlechter bewertet habe ist die in meinen Augen ziemlich unlogische und regelbrechende (was ich damit meine erkläre ich später) Zeitreise. Achtung: Spoiler, weiterlesen auf eigene Gefahr. Für den Verlust der Spannung der Geschichte und die Aufdeckung eventuell noch unbekannter Plottwists hafte ich nicht. (:D) Und natürlich muss das nicht alle stören, hier zeige ich nur mein Problem auf.
Ich möchte euch zunächst einmal zwei „Zeittheorien“ näher bringen, die ich vor dem Buch kannte. Natürlich muss sich Kerstin Gier nicht mal ansatzweise an gängige, oder „anerkannte“ Theorien halten, sie ist schließlich Autorin und kann ihre eigene erfinden, aber ich werde einfach ab und an Vergleiche aufstellen, weswegen ich dachte, dass es doch trotzdem ganz praktisch wäre sie einmal kurz näher zu beleuchten.



Vorneweg es gibt soviel ich weiß drei bekannte Theorien, wie Zeit abläuft, aber ich habe von der dritten nicht wirklich eine Ahnung und sie ist auch nicht wichtig für diesen Thementalk :D.

Die erste Theorie wäre, dass Zeit linear abläuft, das heißt die Vergangenheit ist schon passiert, wir befinden und jetzt gerade in der Gegenwart und was in der Zukunft passiert weiß man nicht, da diese eben in dieser Theorie nicht existiert. Diese Theorie wird öfter mal „lineare Zeit“ oder ähnlich genannt, also die Zeit verläuft linear. An paar Stellen im Buch wird Bezug auf diese Theorie genommen und eben gesagt, dass Zeit wohl linear verläuft, es wird aber nie explizit gesagt, wie die Zeit in der Edelsteintrilogie genau verläuft.




Die zweite Theorie besagt, dass Zeit parallel abläuft, das heißt sowohl Vergangenheit, Zukunft, als auch Gegenwart laufen gleichzeitig ab man befindet sich eben nur in unterschiedlichen „Ebenen“ sozusagen und danach in welcher „Parallelebene“ man sich derzeit befindet definiert man eben die Begriffe. Hier ist aber die Vergangenheit nicht veränderbar, alles ist sozusagen schon vorprogrammiert. Nehmen wir einmal das Beispiel: Man reist in die Vergangenheit und vertauscht ein anderes Kind mit Hitler. Dann ist das Kind was eingetauscht wurde dann Hitler, das heißt man hat genau diese Persönlichkeit Adolf Hitler hineingetauscht und wer weiß was passiert wäre, wenn dem nicht so gewesen wäre. Ich hoffe man hat diese Theorie jetzt einigermaßen verstanden, da ich die wirklich ein bisschen wirr erklärt habe.




Nun kommen wir endlich mal zu dem wichtigen. Was hat das Ganze mit der Trilogie von Kerstin Gier zu tun? Es hat beides etwas mit Zeit zu tun, aber kommen wir jetzt einfach mal direkt zu dem Problem, welches ich mit dieser Zeitreise hatte. Zum einen wird einmal gesagt, dass die Zeit linear verläuft, aber andererseits existiert auch schon die Zukunft, zum Beispiel als Gwendolyn einer ihrer ersten unkontrollierten Zeitsprünge hat sieht sie sich und Gideon in dem Raum, wie die beiden sich küssen, obwohl das ja erst bei einer späteren Zeitreise von den beiden stattfindet, genau wie in der einen Szene, als Gideon Gwendolyn vorwirft ihn erschlagen zu haben in der Vergangenheit, obwohl auch das erst später passiert, als die beiden einmal gemeinsam wieder in die Zeit reisen und Gideon sich selber eins über die Rübe zieht, damit die beiden nicht entdeckt werden. Mein Problem hierbei ist einfach, dass es dauernd immer wieder unterschiedliche Begriffe von Zeit gibt, beziehungsweise Zeit einfach in zig tausend, hier übertreibe ich natürlich, Varianten und Theorien vorhanden ist. Außerdem macht es für mich keinen Sinn, dass die Zukunft noch nicht existiert, aber Gwendolyn in dieser noch nicht existenten Zeit die Entscheidung getroffen hat Gideon zu küssen.

Wenn ich selbst das übersehen würde, dann gibt es immer noch so viele Dinge, welche mit der Zeitreise zusammenhängen, die für mich schlichtweg keinen Sinn ergeben.

Zum einen wäre da die Sache mit James. Es geht mir hier nicht darum, dass er ein Geist ist, oder ähnliches, sondern die Tatsache, dass Gwendolyn und Gideon ihn geimpft haben. Sehen wir darüber hinweg, dass sie sich keine Gedanken gemacht haben, was dieses Impfmittel in dieser Zeit, mit James Körper hätte machen könne und wie er auf das Mittel reagiert, sondern die Tatsache, dass er dadurch nicht an Pocken gestorben ist. Dadurch, dass James , dank der Impfung, später gestorben ist irrte er auch in Gwendolyns Zeit nicht als Geist herum. Natürlich ist das schön, dass James länger leben konnte, aber dadurch ist er Gwendolyn niemals begegnet, da sie ihn ja als Geist kennen gelernt hatte. Mit anderen Worten müsste Gwendolyn, wenn sie wieder in die Gegenwart springen würde, alle Erinnerungen an James verloren haben, da sie ihn nie kennen gelernt hat. Gwendolyn konnte sich aber sehr wohl noch an James erinnern, obwohl er ihr nach ihrem Pfusch in der Geschichte niemals begegnet ist. Wenn er ihr aber niemals begegnet wäre, dann hätte Gwendolyn nie etwas von ihm gewusst und wüsste auch nicht, dass er so früh gestorben ist und hätte ihn nicht geimpft, woraufhin James ja theoretisch wieder früh sterben müsste. Wir hätten hier damit ein sogenanntes Zeitparadoxon. Vielleicht bin ich da kleinlich, aber dass Gwendolyn sich immer noch an ihn erinnern konnte kann einfach nicht sein, da sie ihm ja nie begegnet ist, da er nie als Geist in der Schule gewesen wäre, hat mich einfach wirklich gestört.

Dann ist da noch die Sache mit Gwendolyn und ihrer Mutter, welche verschwiegen hat, dass Gwendolyn vielleicht auch das Zeitreisegen hätte erben können und am Ende ja auch hat. Gwendolyn reist gefühlte 100 mal in die Vergangenheit und auch der Graf und viele andere bekommen mit, dass nicht die rothaarige Charlette, sondern Gwen das Gen geerbt hat. Die Mitglieder der Loge schreiben fast immer alles haargenau und jedes noch so unwichtige Detail auf und archivieren ihre Notizen, dass die nächste Generation Logenmitglieder, Wärter oder wer auch immer nachlesen kann. Warum ist bitte niemand auf die Idee gekommen zu schreiben, dass Gwendolyn die Genträgerin ist? Die Mitglieder der Loge und besonders der Graf von St. Germain werden immer als sehr kluge, gewitzte und gerissene Persönlichkeiten dargestellt, die immer alles genau geplant und geregelt haben möchten. Wäre es da nicht schlauer gewesen, wenn der Graf etwas in der Art schreiben würde wie: “Gwendolyn ist der Rubin, aber ihre Mutter verheimlicht das. Bitte beachtet das nicht und bildet Gwendolyn richtig aus“. Mir kommt das einfach nicht in meinen Kopf, warum sie das nicht gemacht haben. Genau das gleiche, wie mit dem gestohlenen Chronografen. Gideon ist doch schon öfter in die Vergangenheit gereist und hat erzählt, dass Lucy und Paul ihn gestohlen hätten. Warum hat sich die Loge nicht darauf vorbereitet? Warum haben sie nicht sicherheitshalber von jedem Zeitreisenden mehrere Blutproben genommen und diese für den zweiten Chronografen benutzt, oder einfach verhindert, dass die beiden den Chronografen stehlen? Meiner Meinung nach wäre das dem Charakter des Grafen eher entsprechend und auch einfach logischer und sinnvoller, als dauernd zu versuchen, dass der Schaden behoben wird. Klar wäre hier wieder das Zeitparadoxon- Problem. Wenn der Chronograf nie gestohlen worden wäre, dann könnte Gideon auch den Grafen nicht warnen, dass der Chronograf gestohlen wird, aber da Kerstin Gier eh nicht so darauf achtet hätte sie es hier ja auch einfach machen können.

Nun kommen wir zu Lucy und Paul. Versteht mich nicht falsch, ich fand die Geschichte von Lucy und Paul unheimlich spannend und hätte gerne viel mehr darüber gewusst, denn wenn ich ganz ehrlich bin waren mir die beiden auch sympathischer, als Gwendolyn und Gideon. Ich hätte gerne die Geschichte aus ihrer Sicht mitbekommen wollen, also wenn es um die beiden ging. Lucy und Paul sind abgehauen, nachdem Gwendolyn geboren wurde und sie den Chronografen gestohlen haben. Soweit so gut. Dann reisen sie in das Jahr 1912 und bleiben für den Rest der Trilogie und auch danach in der Vergangenheit und leben dort. Das wirft bei mir einige Fragen auf. Zum einen kann man doch pro Tag nur höchstens 240 Minuten in der Zeit zurück reisen. Diese Frage wurde in der „Edelsteintrilogie Wikia“ beantwortet, indem User sagten, dass man ja immer in die Zeit zurück reist, wo der Chronograf ist und Lucy und Paul haben den Chronografen mitgenommen. Lucy und Paul haben den Chronografen aber irgendwann einmal Lucys Großvater gegeben, oder jemand anderem, aber auf alle Fälle hat Gwendolyns Großvater den Chronografen in dieser Kiste versteckt, wo ihn Gwendolyn dann gefunden hat. Also wie können Lucy und Paul in der Vergangenheit bleiben? Das einzige was ich mir vorstellen kann ist, dass Gwendolyns Großvater den Chronografen erst nach dem Tod von Lucy und Paul versteckt hat und die beiden den Chronografen bis dahin benutzt haben. Das ist aber nur meine Theorie, welche im Buch leider nie beantwortet wurde, was mich eben gestört hat.

Und dann der Punkt, der mich mit am meisten stört ist die Geschichte von dem Grafen. Gideon und Gwendolyn haben sich einen Plan ausgedachte bei dem der Graf unter anderem unsterblich wurde. Am Ende wurde dann aufgelöst, dass der Graf die ganze Zeit unter uns weilte, da er sich als Gwendolyns Lehrer ausgab, beziehungsweise sich eben unter dieser Identität versteckt hat. Aber wie kann der Lehrer schon da sein, wenn Gideon und Gwendolyn in dieser Zeit sich erst später dazu entscheiden dem Grafen das Mittel zur Unsterblichkeit zu geben? Meiner Meinung nach würde die Sache so Sinn ergeben. Der Lehrer existiert am Anfang nicht, erst als Gwendolyn und Gideon wieder in die Gegenwart zurückkommen, NACHDEM sie sich dazu entschieden haben dem Grafen das Mittel zu geben taucht der Lehrer auf. Da sie ihm das Mittel gegeben haben, haben sie die Vergangenheit geändert. Danach hat sich der Graf als Lehrer ausgegeben, aber erst danach. Dass sich Gwen und Gideon an ihn erinnern können ist klar, da er eben in der veränderten Gegenwart und Vergangenheit existent ist, aber zumindest in den ersten beiden Büchern kann der Graf als Lehrer nicht existieren, da der Chronograf noch nicht geschlossen war und es kein Mittel zur Unsterblichkeit gab.



So das war alles was ich dazu sagen wollte.  Mich haben diese Punkte leider wirklich sehr gestört.

Es kann natürlich auch sein, dass ich einfach diese ganze Reihe nicht verstanden habe, aber ich könnt mich da unheimlich gerne aufklären :D

Kommentare:

  1. Hallo Anna,

    ich kann deine Kritik teilweise verstehen, teilweise glaube ich aber auch, dass hier bezüglich des Ablaufes der Zeit eine andere Theorie vorliegt.
    Soweit ich das verstanden habe, verläuft die Zeit prinzipiell linear, wird jedoch dadurch gestört, dass die Zeitreisenden in sie eingreifen, was sie aktiv tun können, anders als in der anfangs von dir vorgestellten zweiten Theorie. Um zum Beispiel zu dem Moment zurückzukommen, wo Gwendolyn sich selbst sieht oder dem, wo Gideon sich selbst schlägt: Das ist in der Gegenwart noch nicht passiert, in der Vergangenheit jedoch schon. Alles, was sich in der Vergangenheit abspielt, egal, aus welcher Zeit die agierenden Personen stammen, ist dann auch passiert, und zwar ausgehend von diesem Moment in der Vergangenheit. Das heißt, auf dem linearen Zeitstreifen würdest du von der Zeit der Reisenden zu dem Moment, in den sie springen, einen Pfeil zeichnen, das Ergebnis in der Vergangenheit würde bleiben, auch wenn die Zukunft noch nicht da ist.
    Das ließe sich auch auf den Grafen übertragen: Egal, wann die Entscheidung getroffen wurde, ihm das Unsterblichkeitszeugs zu geben, da es in der Vergangenheit geschehen ist, ist es in der Gegenwart längst, und schon vor der Entscheidung passiert. Ein bisschen wie Schicksal in die andere Richtung.^^
    Was da nicht rein passt, und da stimme ich dir zu, ist James. Hier war dann vielleicht ein bisschen zu viel Happy End gewollt.

    Was die 240 Minuten angeht, so denke ich, dass man nach diesen 240 Minuten in die Zeit zurückkehrt, in die der Chronograf steht, was bei "normalen" Sprüngen die Gegenwart ist, wenn man den Chronografen jedoch mitnimmt, ist es die Zeit, in die man gesprungen ist, weshalb Lucy und Paul auch in der Vergangenheit stecken bleiben.
    Und bezüglich des Gwendolyn/Charlotte-Twists glaube ich, dass der Graf bewusst die Information unterschlagen hat, dass Gwendolyn die wahre Erbträgerin hat, bzw. die Akten dann dementsprechend gefälscht hat. Dadurch gewährt er, dass Gwendolyn unausgebildet ist, keine Ahnung hat und er sie so leichter überzeugen kann. Infolgedessen entsteht dann auch das Zeitparadoxon, dass seine Entscheidungen der Vergangenheit zu der Zukunft und damit wieder zu einem Einfluss auf die Vergangenheit führen, die ihn wieder zu den Entscheidungen veranlassen. Ziemlich komplex, aber das sind alle Zeitreisegeschichten.

    Das ist jetzt nur mein Verständnis des Ganzen, kann sein, dass ich da falsch liege, aber ich habe die Trilogie etwa dreizehnmal gelesen und bei mir hat es so weitgehend Sinn ergeben. ^^

    Liebe Grüße ♥

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    1. Hallöchen ♥,

      gut so kann das natürlich auch sein,also wir du das beschrieben hattest. ich dachte nur, dass das mit dem Grafen zum Beispiel schon verändert wird, aber zu einem anderen Zeitpunkt. Ach ich kann das gerade echt schlecht erklären.

      Dass er die Information bewusst zurückgehalten hat war auch mien erster Gedanke, aber für mich macht es irgendwie mehr Sinn, wenn sie von Anfang an denken würde, dass sie das richtige tut und eben seit sie klein ist mit der Loge aufwächst, aber das ist eben Geschmackssache, was man logischer findet.

      Achso oke danke, dass mit Paul und Lucy habe ich einfach wirklich nicht verstanden :D

      Nein, nein kann gut sein, dass du damit vollkommen Recht hast, denn ich habe jeden Teil nur einmal gehört ^^

      Liebste Grüße ♥

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    2. Hallöchen,

      ja gut, aber er weiß ja aus der Vergangenheit, dass es funktioniert. Im Prinzip beeinflussen Entscheidungen, die er noch nicht getroffen hat, ebendiese Entscheidung. Hätte er sich anders entschieden, hätte er von vorneherein eine ganz andere Gwendolyn getroffen, dementsprechend ist es keine bewusste Entscheidung, was das Ganze ja so paradox macht.

      Liebe Grüße nochmal ♥

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    3. Hallöchen,

      ka klar, dass ist natürlich auch richtig, dass er sein Verhalten nicht ändert, wenn es geklappt hat :D

      Die auch liebe Grüße ♥

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